Krise im Werkzeug- und Formenbau: Das können Sie jetzt tun

Ohne Werkzeugbau kein Produkt - think global, source local! - VDWF

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Der Werkzeug- und Formenbau in Deutschland und Europa steckt in einer Krise, die man nicht mehr schönreden kann. Insolvenzen nehmen zu, die Fertigung rechnet sich vielerorts nicht mehr – und das ausgerechnet in einer Branche, die am Anfang jeder industriellen Wertschöpfung steht.

Wenn man das Bild eines Gartens nimmt, dann ist der Werkzeug- und Formenbau nicht „irgendein Beet“. Er ist der Boden. Die Humusschicht. Das, worauf alles wächst. Ohne Werkzeuge und Formen gibt es keine serielle Produktion – keine Bauteile, keine Geräte, keine Produkte. Ohne Boden wächst nichts. Und ohne Werkzeugmacher läuft die Industrie irgendwann nur noch auf dem Papier.

Der VDWF (Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer e.V.) bringt es in seinem Offenen Brief auf den Punkt:

„Deutschland darf seine industrielle Basis nicht verlieren.“

Die Lage: Wenn der Boden austrocknet, wird aus Industrie Steppe

Der VDWF beschreibt die Situation drastisch – und leider sehr konkret:

  • Kostenexplosion bei Rohmaterial, Energie und Personal, zusätzlich steigende Steuerbelastungen
  • Verschärfter globaler Wettbewerb
  • Rückgang des Produktionsvolumens um 34 % im Vergleich zu 2018
  • Umsatzrendite im Werkzeug- und Formenbau zwischen 2026 und 2022 von 9 % auf 3 % gefallen

Das sind keine „Schwankungen“. Das ist ein Klimawechsel.

Und wer schon einmal einen Garten hatte, weiß: Wenn sich das Klima ändert, reicht es nicht, die Pflanzen anzuschauen und zu hoffen. Man muss handeln – Bewässerung, Schutz, neue Strukturen. Sonst kippt das System.

Die Forderungen des VDWF

Der VDWF fordert gezielte Maßnahmen, um den Trend zur Deindustrialisierung zu stoppen.:

  • faire Wettbewerbsbedingungen und gleiche Regeln für alle
  • finanzielle Entlastung (Bürgschaften, Liquiditätsprogramme, Fördergelder für Forschung und Entwicklung, Investitionshilfen)
  • Schutz von Know-how (keine Preisgabe von Technologie und Vorsprung)
  • Bürokratieabbau
  • realistische Umweltauflagen statt einseitiger Belastungen
  • Stärkung von Aus- und Weiterbildung, um Nachwuchs zu sichern Die Botschaft dahinter: Die Branche steht bereit – für Innovation, Qualität und unser Zusammenleben in Europa. Aber ohne tragfähige Rahmenbedingungen wird aus einem Hochleistungs-Gartenbau ein Überlebenskampf.

Jetzt handeln – statt später zuschauen

Wenn Sie im Werkzeug- und Formenbau arbeiten, Kunden dort haben oder einfach verstehen, was auf dem Spiel steht:

  • Unterzeichnen Sie den Offenen Brief des VDWF.
  • Machen Sie Ihre Stimmkreisabgeordneten im Bundestag und im Europäischen Parlament darauf aufmerksam.
  • Und teilen Sie diesen Beitrag in Ihrem Netzwerk.

Denn politischer Druck entsteht nicht durch stille Zustimmung, sondern durch sichtbare Stimmen.

Dr. Mario Schubert von Process Gardening hält einen überdimensionalen Ausdruck des Offenen Briefs des VDWF zur Krise im Werkzeug- und Formenbau
Dr. Mario Schubert, Gründer von Process Gardening und Mitglied des VDWF, unterstützt die VDWF-Kampagne „Offener Brief“.

Den eigenen Prozess-Garten wetterfest machen

So wichtig politische Rahmenbedingungen sind: Auf die Politik zu warten und parallel die Nachrichten in Dauerschleife zu verfolgen, bringt uns keinen Schritt näher an die Lösung.

Im Garten gilt: Sie können das Wetter nicht kontrollieren – aber Sie können Ihren Garten so aufstellen, dass er Stürme übersteht.

1. Den eigenen Laden in Ordnung bringen – damit wieder mehr Ertrag möglich wird

Viele Betriebe kämpfen nicht nur mit Markt und Kosten, sondern auch mit internen Reibungsverlusten: Informationssuche, Rückfragen, doppelte Arbeit, Missverständnisse, Fehler und Ausschuss. Das ist wie Unkraut: Es wächst leise – und frisst Rendite.

Was jetzt hilft, sind Systeme, die Ihre Mitarbeiter inspirieren, Prozesse stärken und Kunden begeistern. Nicht mehr „noch ein Ordner“, nicht mehr „noch ein Excel“. Sondern Klarheit, die täglich wirkt.

2. Kontinuierliche Verbesserung durch Echtzeit-Dokumentation

Dokumentation wird oft wie ein Gewächshaus aus Glas gebaut: teuer, aufwendig, beeindruckend – aber im Alltag steht es leer.

Was Sie brauchen, ist gelebte Dokumentation:

  • aktuell und gültig (nicht „Stand 2019“)
  • im Alltag hilfreich (für Mitarbeiter geschrieben, nicht für Auditoren)
  • direkt an der Arbeit gepflegt (Echtzeit statt Nacharbeit)

Wenn Dokumentation im Alltag hilft, wird sie automatisch auditready – ganz ohne Panik kurz vor der Prüfung.

3. Laufende Prozessoptimierung mit Ihrem digitalen Unternehmenshandbuch

Ein gutes digitales Unternehmenshandbuch ist wie ein sauber angelegtes System von Beeten und Wegen im Garten:

  • Jeder weiß, wo was steht.
  • Neue Mitarbeiter finden sich schnell zurecht.
  • Wissen bleibt im Unternehmen, statt mit einzelnen Köpfen zu verschwinden.
  • Änderungen werden nachvollziehbar verteilt, nicht „still“, und sind damit revisionssicher.

Das Ergebnis:

  • weniger Suchzeiten, weniger Rückfragen, weniger Stillstand.
  • mehr produktive Arbeit, bessere Zusammenarbeit, mehr Freude und höhere Rendite

4. Dokumentation gemeinsam pflegen – und damit das Unternehmen beschleunigen

Der größte Denkfehler vieler Unternehmen: „Dokumentation ist Aufgabe des Qualitätsbeauftragten.“

In Wahrheit ist Dokumentation ein Führungs- und Kulturthema.

  • Wenn Mitarbeitende Mitschreiber werden, entsteht ein Prozess-Garten, der sich selbst pflegt:
  • Wissen wächst dort, wo es gebraucht wird.
  • Verbesserungen werden sichtbar.
  • Verantwortung wird verteilt, statt zu überlasten.

5. Strategisch kluge Entscheidungen treffen – nach außen und nach innen

Wenn Märkte enger werden, braucht es zwei Dinge gleichzeitig:

  • Nach außen: klare Positionierung, klare Zielkunden, klare Angebote.
  • Nach innen: Effizienz, Stabilität, schnelle Einarbeitung, robuste Prozesse.

Wer jetzt strategisch schneidet wie ein guter Gärtner, hat wieder Luft zum Atmen – und mittelfristig wieder Wachstum. Er schneidet nicht radikal alles weg, sondern lichtet gezielt aus und stärkt, was er in Zukunft braucht.

Der Werkzeugbau ist der Boden – und jeder Betrieb ist ein Garten

Der VDWF hat Recht: Wenn der Werkzeug- und Formenbau stirbt, stirbt die Produktion. Und mit ihr Arbeitsplätze, Know-how, Innovationskraft.

Gleichzeitig gilt: Je härter das Umfeld wird, desto entscheidender ist es, dass intern kein Wildwuchs herrscht. Denn Wildwuchs kostet Zeit, Geld und Nerven – und genau das fehlt gerade überall.

Apfelbaum im Regen
Machen Sie Ihren Prozess-Garten wetterfest. (Bild: Hans auf Pixabay)

Häufige Fragen: Werkzeug- und Formenbau in Deutschland unter Druck

Was ist der VDWF und wofür steht der Verband?

Logo des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF)

Der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer e. V. (VDWF) ist die Interessenvertretung des Werkzeug- und Formenbaus in Deutschland. Die Mitgliedsunternehmen sind zentrale Partner der Industrie, weil sie mit Werkzeugen und Formen die Grundlage für serielle Fertigung schaffen – von Kunststoff über Metall bis zu High-End-Anwendungen in Automobilindustrie, Medizintechnik und Konsumgütern.

Worum geht es im Offenen Brief des VDWF?

Im Kern geht es um die Warnung vor einer schleichenden Deindustrialisierung: Für viele Betriebe rechnet sich die Fertigung in Deutschland und Europa nicht mehr. Der VDWF fordert deshalb konkrete politische Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen, um Wettbewerbsfähigkeit, Know-how und Arbeitsplätze zu sichern.

Welche Forderungen stellt der VDWF an die Politik?

Der VDWF fordert u.a. faire Wettbewerbsbedingungen, finanzielle Entlastung (z.B. Bürgschaften, Liquiditätsprogramme, Investitionshilfen), Bürokratieabbau, Know-how-Schutz, realistische Umweltauflagen sowie eine stärkere Aus- und Weiterbildung (sinngemäß aus dem Offenen Brief).

Warum ist der Werkzeug- und Formenbau „systemrelevant“ für Deutschland und Europa?

Weil Werkzeuge und Formen die Grundlage für serielle Fertigung sind. Ohne sie geraten ganze Wertschöpfungsketten ins Rutschen – von Automotive über Medizintechnik bis Konsumgüter. Wenn diese Basis wegbricht, wird Produktion zur Importware – mit Folgen für Jobs, Steuereinnahmen und technologischen Vorsprung.

Was kann ich als Geschäftsführer und Mitarbeiter politisch konkret tun (außer den Brief zu unterschreiben)?

Drei schnelle Schritte:

  1. Den Offenen Brief des VDWF unterzeichnen und aktiv verbreiten, innerhalb des Unternehmens wie zwischen Geschäftspartnern.
  2. Stimmkreisabgeordnete ansprechen (Bund + EU): kurz, sachlich, mit Zahlen aus dem Brief und einem klaren „Was wir brauchen“.
  3. Sichtbarkeit herstellen: Post/Kommentar auf LinkedIn, im Branchenkreis, bei Kunden/Lieferanten – damit das Thema nicht im Nachrichtenrauschen verschwindet.

Wie schreibe ich eine Nachricht an Abgeordnete, die Wirkung hat?

Schreiben Sie kurz und bündig, konkret und lösungsorientiert:

  • Ein Satz zur Rolle Ihres Unternehmens (Mitarbeiter, Region, Kundenbranchen)
  • Zwei bis drei Sätze zur Lage (Kosten, Margen, Wettbewerbsdruck)
  • Eine klare Bitte (z. B. bezüglich Bürokratieabbau, Entlastungsmechanismen oder Investitionsprogrammen)
  • Ein Satz als Angebot zum Dialog (z.B. ein Gespräch oder ein Werksbesuch)

So werden Sie als Unternehmer wahrgenommen, nicht als „Beschwerdeführer“.

Warum ist „Bürokratieabbau“ für Werkzeug- und Formenbauer mehr als ein Schlagwort?

Weil Bürokratie im Mittelstand nicht „Papier“ ist, sondern Zeit, Fokus und Liquidität bindet. In einer Lage mit sinkenden Renditen ist das wie ein zusätzlicher Bleigurt beim Schwimmen: Man geht nicht wegen eines Problems unter – sondern wegen der Summe.

Was meint der VDWF mit „Know-how schützen“?

Werkzeug- und Formenbau lebt von Erfahrung, Prozesswissen und technologischem Vorsprung. Wenn dieses Know-how durch falsche Anreize oder ungleiche Wettbewerbsbedingungen abwandert, ist es nicht einfach „ersetzbar“. Es ist wie ein über Jahrzehnte kultivierter Boden: Einmal verloren, dauert der Wiederaufbau sehr lange.

Welche Fragen helfen mir, im Betrieb nicht nur auf Politik zu warten, sondern handlungsfähig zu bleiben?

Nutzen Sie die „unabhängigen Fragen“, um die richtige Richtung zu sichern: „Warum macht Ihr das so? Muss das so sein? Ist der Ablauf wirklich so? Was müssen wir tun, damit es noch schlimmer wird? Was wäre richtig?“

Und der Leitsatz dazu: „Wenn Sie in die falsche Richtung gehen, lohnt es sich nicht schneller zu laufen!“

Welche Nutzen bietet Process Gardening in diesem Kontext?

Politik ist der Rahmen – aber Resilienz entsteht im Betrieb. Process Gardening verfolgt konsequent die Analogien guten Garten- und Landschaftsbaus: erst Wildwuchs sichtbar machen, dann Struktur schaffen, dann Pflege im Alltag. Diese Haltung verhindert, dass Unternehmen in Krisenzeiten nur reagieren, statt gezielt zu steuern.

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